Die Frage nach dem eigenen Preis gehört für viele Creator zu den unangenehmsten im Berufsalltag. Zu hoch, und die Anfrage verschwindet im Postfach. Zu niedrig, und du arbeitest für ein Honorar, das weder deinen Aufwand noch den Wert deiner Reichweite abbildet. Dieser Ratgeber richtet sich an dich als Creator und zeigt, wie du ein Honorar herleitest, das du begründen kannst. Wie Marken die Kosten einer Zusammenarbeit betrachten, erklären wir in unserem Ratgeber Was kostet eine Influencer-Kooperation. Hier geht es um deine Seite des Tisches.
Warum es keine feste Preisliste gibt
Einen allgemeingültigen Tarif gibt es nicht. Wer dir eine pauschale Summe pro tausend Follower nennt, vereinfacht stark. Zwei Creator mit gleich vielen Followern können sehr unterschiedliche Honorare verlangen, weil ihre Communities, ihre Inhalte und ihre Ergebnisse nicht vergleichbar sind. Richtwerte aus dem Netz taugen höchstens als grobe Orientierung. Dein Preis entsteht aus mehreren Bausteinen, und diese Bausteine kannst du selbst benennen.
Die Bausteine deines Honorars
Zuerst kommt dein Aufwand. Rechne ehrlich, wie viel Zeit eine Kooperation tatsächlich kostet: Abstimmung mit der Marke, Konzept, Dreh, Schnitt, Veröffentlichung, Reaktion auf Kommentare und Korrekturschleifen. Viele unterschätzen den Teil vor und nach der Kamera. Wenn ein Reel drei Stunden Drehzeit hat, aber mit Planung, Schnitt und Abstimmung einen ganzen Tag bindet, ist der ganze Tag die Berechnungsgrundlage.
Dazu kommen deine Kosten. Ausrüstung, Software, Locations, Requisiten, gegebenenfalls Hilfe durch Kamera oder Schnitt, Steuern und Versicherungen. Ein Honorar muss nicht nur deine Arbeitszeit decken, sondern auch die Zeiten dazwischen, in denen du keine bezahlten Aufträge hast. Als Selbstständige trägst du dein Risiko selbst, und das gehört in die Kalkulation.
Dann folgt der Wert deiner Reichweite. Follower sind nur eine Zahl. Aussagekräftiger ist, wie viele Menschen deine Inhalte tatsächlich sehen, wie sie reagieren und wie genau sich deine Community beschreiben lässt. Eine kleinere, sehr passende Zielgruppe kann für eine Marke wertvoller sein als eine große, die breit gestreut ist. Wie du das belegst, erklären wir im Ratgeber zum Media Kit für Creator.
Schließlich zählt das Format. Ein Story-Set, ein Reel, ein Karussell, ein langes Video oder ein Livestream verursachen unterschiedlich viel Arbeit und haben unterschiedliche Wirkung. Preise deshalb pro Format und nicht pauschal pro Kooperation, sonst verschenkst du Spielraum, sobald eine Marke mehr verlangt als ursprünglich besprochen.
Nutzungsrechte und Exklusivität gehören extra in den Preis
Das Honorar für die Erstellung ist nicht das Honorar für die Verwendung. Will eine Marke deinen Beitrag auch auf ihren eigenen Kanälen, in Anzeigen oder auf der Website einsetzen, ist das eine zusätzliche Leistung. Entscheidend sind Dauer, Kanäle und Region der Nutzung. Je breiter und länger, desto höher sollte der Aufschlag sein. Details dazu findest du im Ratgeber zu Nutzungsrechten an Influencer-Content.
Ähnlich ist es bei Exklusivität. Verpflichtest du dich, für einen bestimmten Zeitraum nicht mit Mitbewerbern zu arbeiten, verzichtest du auf mögliche Einnahmen. Das darf sich im Honorar niederschlagen, und zwar umso stärker, je weiter die Exklusivität reicht. Halte beides schriftlich fest, am besten in einem sauberen Influencer-Vertrag.
Ein Rechenweg, der dir Sicherheit gibt
Starte mit deinem Mindestbetrag. Überlege, welchen Betrag du pro Monat zum Leben und für dein Business brauchst, und wie viele bezahlte Kooperationen du realistisch pro Monat umsetzen kannst. Daraus ergibt sich eine Untergrenze, unter der sich eine Zusammenarbeit für dich nicht lohnt. Diese Zahl behältst du für dich.
Baue darauf dein Angebot auf. Rechne Aufwand, Kosten und Format zusammen, ergänze Aufschläge für Nutzungsrechte und Exklusivität und lege dann deinen Angebotspreis fest. Er sollte etwas über deiner Untergrenze liegen, damit du in Verhandlungen noch Raum hast, ohne unter dein Minimum zu rutschen.
Prüfe ihn am Markt. Sprich mit anderen Creatorn in ähnlicher Lage, beobachte, welche Anfragen du bekommst und wie oft du Zusagen erhältst. Sagt fast jede Marke sofort zu, ist dein Preis vermutlich zu niedrig. Kommen dauerhaft nur Absagen, lohnt sich ein Blick auf Angebot und Argumentation, bevor du reflexartig senkst.
Bezahlung, Produkte und Tauschgeschäfte
Nicht jede Gegenleistung ist Geld. Manchmal wird dir ein Produkt angeboten statt einer Zahlung. Das kann sinnvoll sein, etwa wenn du das Produkt ohnehin nutzen würdest und die Zusammenarbeit klein bleibt. Sobald aber echte Arbeit entsteht, solltest du den Wert des Produkts gegen deinen Aufwand halten. Eine ausführliche Abwägung findest du im Ratgeber Barter vs. bezahlte Kooperation. Auch bei Produkttausch gilt übrigens: Inhalte mit Gegenleistung müssen als Werbung erkennbar sein, mehr dazu in der Übersicht zur Werbekennzeichnung auf Instagram und TikTok.
So verhandelst du, ohne dich zu verbiegen
Nenne den Preis klar und begründe ihn kurz. Ein Satz reicht: Was ist enthalten, wie lange laufen die Rechte, was kostet es. Lange Rechtfertigungen wirken unsicher. Wenn das Budget der Marke kleiner ist, ändere lieber den Umfang als den Preis. Ein Reel statt zwei, kürzere Nutzungsdauer, keine Exklusivität: So bleibt dein Stundenwert gleich, und die Marke bekommt trotzdem ein stimmiges Angebot.
Sei vorsichtig mit Dauerrabatten. Wer einer Marke aus Entgegenkommen einmal einen niedrigen Preis anbietet, wird bei der nächsten Anfrage daran gemessen. Wenn du Rabatt gibst, dann bewusst, befristet und mit Gegenleistung, etwa einer längeren Zusammenarbeit.
Halte Zahlungsbedingungen fest. Zahlungsziel, Anzahlung bei größeren Projekten und der Ablauf der Abrechnung gehören ins Angebot. Wie eine saubere Abrechnung aussieht, zeigt der Ratgeber zur Influencer-Rechnung. Bei steuerlichen Fragen lass dich von einer Steuerberatung unterstützen, denn die Regeln hängen von deiner persönlichen Situation ab.
Wann Unterstützung durch eine Agentur sinnvoll ist
Preisverhandlungen kosten Energie. Gerade wenn Anfragen zunehmen, hilft es, jemanden an der Seite zu haben, der Marktgespür mitbringt, Verträge prüft und Honorare verhandelt, während du dich auf Inhalte konzentrierst. Wie das Zusammenspiel funktioniert und was eine Agentur im Gegenzug berechnet, erklären wir im Ratgeber zur Provision bei Influencer-Agenturen.
Zusammenarbeit mit TrueTalent
TrueTalent Management ist eine Talentagentur für deutschsprachige Creator mit Sitz in Dubai. Wir unterstützen Creator bei Preisgestaltung, Verhandlungen, Verträgen und Abrechnung. Wenn du wissen möchtest, ob und wie wir zu dir passen, erreichst du uns über die Kontaktseite.
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Häufige Fragen
Kann ich meinen Preis allein an der Followerzahl festmachen?
Das ist ein Ausgangspunkt, aber keine vollständige Methode. Aufwand, Format, Qualität deiner Reichweite, Nutzungsrechte und Exklusivität beeinflussen das Honorar mindestens genauso stark. Ein Preis, den du mit diesen Faktoren begründen kannst, ist in Verhandlungen deutlich stabiler.
Was mache ich, wenn das Budget der Marke zu niedrig ist?
Passe zuerst den Leistungsumfang an, statt den Preis zu senken. Weniger Beiträge, kürzere Nutzungsdauer oder Verzicht auf Exklusivität sind faire Stellschrauben. Passt es trotzdem nicht, ist eine freundliche Absage eine legitime Entscheidung, die den Kontakt für spätere Projekte offen hält.
Wie oft sollte ich meine Preise anpassen?
Überprüfe sie regelmäßig, zum Beispiel einmal im Halbjahr oder wenn sich deine Reichweite, dein Aufwand oder deine Nachfrage spürbar verändern. Kündige Erhöhungen nicht lange an, sondern setze sie bei neuen Angeboten um. Laufende Vereinbarungen bleiben, wie vertraglich festgelegt.
Muss ich Nutzungsrechte immer extra berechnen?
Nutzungsrechte sind eine eigene Leistung und sollten klar vereinbart werden. Ob und wie hoch der Aufschlag ausfällt, hängt von Dauer, Kanälen und Umfang ab. Wichtig ist, dass im Vertrag genau steht, was die Marke mit deinem Inhalt tun darf.
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